| 1 Bild

Vertrieb 4.0: Mit Maschinen rechnen und mit Menschen verkaufen

Technische Machbarkeiten klären, Angebote erstellen, Preise kalkulieren: Der Vertriebsalltag frisst Zeit, KI-Agenten versprechen Entlastung. Dafür müssen Unternehmen vorhandenes Wissen digitalisieren.

Stefan Schaarschmidt, Senior Principal Enterprise Solutions, Slalom Germany.
© Slalom Germany
Zu dieser Meldung gibt es:
München, 25. Februar 2026. Bis zu 20 Millionen Babyboomer verlassen bis 2035 den Arbeitsmarkt – und mit ihnen Jahrzehnte an Erfahrung. Besonders im Vertrieb komplexer Produkte wird das zum Problem. Denn die Kundenanforderungen an Produkte werden zunehmend individueller, die Variantenvielfalt steigt. Währenddessen sind historisch gewachsene Rabatt- und Preismodelle oft dezentral und händisch in Excel-Tabellen hinterlegt. Einzelne Varianten lassen sich somit schlecht berechnen und nachvollziehen. Das Ergebnis: Informationssilos, die zu tagelangen Angebotsprozessen, verpassten Aufträgen und fehlenden Forecasts führen. „Selbst erfahrene Vertriebsteams sind oft überfordert und Kunden frustriert, wenn Angebote Tage dauern. Das entscheidende Wissen muss aus den Köpfen einzelner Mitarbeiter geholt und für alle greifbar gemacht werden. Unternehmen, die das Wissen der Babyboomer-Generation erhalten möchten und eine Grundlage für Skalierung schaffen wollen, müssen das Knowhow strukturiert in Systemen erfassen und für alle zugänglich machen“, erklärt Stefan Schaarschmidt, Senior Principal Enterprise Solutions beim Technologieberatungsunternehmen Slalom Germany. Dieser Schritt sei entscheidend, um die Automatisierung von Tätigkeiten mit hohem manuellen Aufwand durch KI und KI-Agenten zu ermöglichen. Ohne die Zentralisierung von Wissen bleibe die Automatisierung jedoch Wunschdenken.

Drei Zeitfresser, eine Lösung: KI-Agenten

Technische Machbarkeiten klären, lange Angebotsdokumente für komplexe Produktkonfigurationen erstellen und Preise kalkulieren: Diese drei Aufgaben rauben Vertriebsmitarbeitern die meiste Zeit. In Bereichen wie dem Maschinen- und Anlagenbau kann allein die Dokumentengenerierung Wochen in Anspruch nehmen. Dazu kommt: Die Margenoptimierung erfordert, dass Vertriebsmitarbeiter ständig mit unterschiedlichen Parametern jonglieren, um Preise zu optimieren. Laut Slalom Germany können diese Aufgaben bereits heute von autonom agierenden KI-Agenten übernommen werden. Diese arbeiten selbständig und passen die Parameter automatisch an – mit minimaler menschlicher Aufsicht. Doch bevor sie eingesetzt werden können, müssen Unternehmen ihre Prozesse fit machen. „Wer KI-Agenten im Vertrieb nutzen will, muss zunächst vier Reifegrade durchlaufen. Erst muss das Mitarbeiterwissen digital verfügbar sein. Dann muss der Prozess angepasst werden, sodass er in der digitalen und der manuellen Welt durchspielbar ist. Darauf folgt die Automatisierung. Und erst dann können KI-Agenten den Prozess autonom begleiten. Viele Unternehmen beginnen mit Schritt drei oder vier und wundern sich darüber, dass die Erfolge ausbleiben“, betont Schaarschmidt. Dem Experten zufolge wachse der Druck auf Unternehmen, KI und KI-Agenten zu implementieren immer weiter: Fachkräftemangel, steigende Kundenerwartungen und kürzere Innovationszyklen zwingen zum Handeln.

Vertriebsmitarbeiter 4.0: Kundennähe und Human-in-the-Loop

Wenn KI-Agenten repetitive Aufgaben übernehmen, ändert sich die Rolle des Vertriebs fundamental. Statt Angebote manuell zu erstellen, rückt die Kundenbeziehung wieder in den Mittelpunkt der täglichen Arbeit. Die neue Freiheit erfordert aber auch neue Kompetenzen von den Mitarbeitern im Vertrieb – besonders im Umgang mit Künstlicher Intelligenz. „In vielen Unternehmen beschränkt sich das Mitarbeiter-Enablement auf Prompting. Die größte Herausforderung liegt nicht im Prompten, sondern darin Kunden- und Produktanforderungen klar zu formulieren. KI-Systeme werden zwar immer besser, doch bleiben gute Ergebnisse bei hochkomplexen Produkten aus, wenn die Formulierungen, mit denen die KI arbeiten soll, schwammig sind. Präzise Kommunikation wird damit zur neuen Kernkompetenz von Vertriebsmitarbeitern – sowohl gegenüber der KI, wie auch gegenüber Kunden“, erklärt Schaarschmidt. Während die Fähigkeit, KI-Systeme gezielt zu steuern, künftig über den Erfolg im Vertrieb entscheidet, eröffnen sich auch neue Geschäftschancen durch den Einsatz von KI. Unternehmen können den Weggang älterer Mitarbeiter kompensieren und mit kleineren Teams größere Märkte bedienen und schneller auf Kundenanfragen reagieren.

Mit neuen Grundlagen zu neuen Businessmodellen

Mittel- bis langfristig geht die Transformation weit über Effizienzgewinne hinaus. Veränderte Kundenbedürfnisse und Märkte erfordern neue Vertriebswege. Vor allem im B2B-Geschäft erwarten Kunden laut Slalom Germany zunehmend Self-Service-Optionen und automatisierte Prozesse. „Ob im Unternehmen oder privat: KI beschleunigt bereits heute viele Prozesse. Für Unternehmen heißt das vor allem, dass ihre Kunden schnellere Reaktionen erwarten. Mit der richtigen Datenbasis und einer KI als intelligenten Helfer verkürzt sich der Weg vom ersten Kontakt zum fertigen Angebot drastisch. Daten und befähigte Mitarbeiter versetzen Unternehmen heute in die Lage, den Kundenbedürfnissen von morgen mit der nötigen Schnelligkeit und Agilität zu begegnen“, sagt Schaarschmidt. Laut dem Experten sei Wissensdigitalisierung nicht nur die Grundlage für Prozessoptimierung, sondern auch für einen kürzeren Time-to-Market, und agilere Geschäftsmodelle. Die Frage laute daher nicht mehr, ob KI-Agenten den Vertrieb verändern werden – sondern wann Unternehmen die notwendigen Schritte gehen.
Über Slalom Germany
Über Slalom Germany

Slalom ist ein führendes, international tätiges Technologieberatungsunternehmen, mit Hauptsitz in Seattle, Washington. Mitarbeiter in 53 Büros und 12 Ländern helfen Kunden weltweit, mit menschenzentrierten End-to-End-Lösungen in den Bereichen Cloud, Künstliche Intelligenz und Daten, echte Geschäftswerte zu generieren.

Mit über 244 Projekten, für mehr als 106 Kunden, ist Slalom Germany seit 2022 ein vertrauenswürdiger Partner großer und mittelständischer Unternehmen in der DACH-Region. An den Standorten München, Düsseldorf und Frankfurt am Main arbeiten rund 200 Mitarbeiter an der digitalen Transformation von Geschäftsmodellen und Arbeitsorganisationen, um Effizienzen zu erhöhen, nachhaltiges Wachstum zu erzielen und Mehrwerte für Kunden zu schaffen.

Für weitere Informationen siehe: www.slalom.comLinkedIn oder Instagram.